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Dorfchronisten

Am Puls des Dorflebens

Jede Ötztaler Gemeinde hat einen Dorfchronisten. Der Job ist ein Ehrenamt. Begeisterung für die lokale Geschichte und Kultur gehören genauso zur Jobdescription wie Sorgfalt beim Sammeln und Archivieren. Söldens alter und neuer Dorfchronist erzählen von der Vielfalt ihrer Aufgaben im Dienst der Geschichtsschreibung.

Fließender Übergang

„Ich bin ja noch recht neu im Metier, deswegen wird auch mein Vorgänger Ewald Schöpf bei unserem Gespräch dabei sein“, sagt Franz Scheiber, als wir telefonisch unser Treffen in Sölden vereinbaren. Im Dorfchronisten-Büro mit zwei Computern und jeder Menge Ordnern stellt dann Ewald sich und seinen Nachfolger Franz derart vor: „Ich war der analoge, Franz ist der digitale Dorfchronist.“ Mit 468 km² ist Sölden flächenmäßig die größte Gemeinde Österreichs. In ihren Dörfern Gurgl, Heiligkreuz, Sölden, Vent und Zwieselstein leben rund 3.000 Einwohner. Franz und Ewald führen so nach und nach alle Dokumente vom Analogen ins Digitale, die bezeugen, was die Sölder einst bewegte und heutzutage bewegt.

 

Senioren im Unruhestand

Franz war bis zu seiner Pensionierung 2020 ein führender Beamter der Gemeinde Sölden. Ewald, schon seit 2002 in Rente als Hauptschuldirektor, fungierte von 1984 bis 2020 als offizieller Dorfchronist. Im Unruhestand sind beide: Ihr Dorf, seine Geschichte und Geschicke, lassen sie nicht los. „Ich bin all die Jahrzehnte aus dem Sammeln nicht herausgekommen“, sagt Ewald. Sein größter Schatz: Eine reiche Sammlung alter Ansichtskarten. Beeindruckend, diese Ordner voller Bilder: Wie im Zeitraffer lässt sich der Wandel vom Bergdorf zu einer der größten Tourismusdestinationen Österreichs betrachten. Alles, was Ewald bisher analog erfasst hat, will Franz in ein zentrales digitales Dorfarchiv überführen. „So gewinne ich einen guten Überblick über alles, was wir schon haben und laufend neu hereinbekommen an Informationen. Aber am hilfreichsten ist es natürlich, Schüler bei Ewald zu sein“, meint er.

Dorfchronisten Ewald und Franz

Zurück zu den Wurzeln

Wir Laien denken beim Wort „Dorfchronist“ meistens an jemanden, der sich hauptsächlich mit der Vergangenheit befasst. Ewald und Franz belehren mich eines Besseren, als wir über ihre Aufgabenbereiche reden. Ja, lokale Ahnen-, Geschichts- oder Kulturforschung spielen schon eine große Rolle: Niemand stürzt sich freiwillig in ein unbezahltes Ehrenamt, wenn er nicht brennt für die Wurzeln seines Dorfs.

 

Aktuelle Informationsfluten bändigen

„Aber wir müssen auch alles in Wort und Bild registrieren, was aktuell in unserer Gemeinde geschieht, was über sie oder ihre Persönlichkeiten publiziert wird, was Vereine wie die Feuerwehr oder die Musikkapelle machen, was restauriert oder neu gebaut wird“, betont Franz. Ewald präzisiert: „Es ist sehr schwierig, all diese Informationen zu erfassen und zu verwalten – wir müssen ja auch außerdem noch kompetente Anlauf- und Auskunftsstelle für interessierte Forscher sein.“ Zwei engagierte Mitstreiter haben Franz und Ewald schon. Erstens Söldens Bürgermeister Ernst Schöpf, er rüstet das ehrenamtliche Chronistenamt bestens mit den nötigen Sachmitteln aus und hat zudem ein kommunales audiovisuelles Zeitzeugenarchiv geschaffen, um das kulturelle und gesellschaftliche Erbe aller fünf Ortsteile lebendig zu halten. Zweitens die Lehrerin Brunhilde Hochschwarzer, sie dokumentiert die Geschichte des Ersten Weltkriegs im Gemeindegebiet.

„Auch einzelne Vereine und Privatpersonen wirken mit an der Chronik der laufenden und vergangenen Ereignisse“, ergänzt Ewald. In die Zukunft träumen aber auch Dorfchronisten. Für ihn und Franz wären freiwillige Chronisten-Helfer als dauerhaft verlässliche Ansprechpartner in jedem Ortsteil eine super Sache.

 

INFO

Eine Fülle von Videos mit dem Schatz der Erinnerungen von Sölder Bürgerinnen und Bürgern ist kostenlos abrufbar unter www.zeitzeugen-soelden.at

Isolde v. Mersi

Gastautorin Isolde v. Mersi

Isolde von Mersi stammt aus dem Südtiroler Pustertal und lebt in Wien. Als Reporterin und Buchautorin erkundet sie für deutsche und österreichische Magazine und Verlage die kulturellen, kulinarischen und naturgeschichtlichen Schätze der Alpenländer und ihrer Bewohner.

Im Ötztal fühlt sie sich durch ihre Arbeit für das ÖTZTAL MAGAZIN seit vielen Jahren zuhause und unter ziemlich besten Freunden.

ÖTZTAL MAGAZIN

Über die Arbeit der Ötztaler Dorfchronisten berichtet Isolde v. Mersi auch im ÖTZTAL MAGAZIN Sommer 2021. Das Printmagazin mit den aktuellsten und interessantesten Geschichten zur Ötztaler Frühlings-, Sommer- und Herbstsaison erhaltet ihr in den Sprachen DE/EN kostenlos in allen Informationen des Ötztal Tourismus. HIER könnt ihr es bestellen und frei Haus zustellen lassen oder als Blätterkatalog betrachten.