Mahlzeit!

Das traditionelle Breigericht der Tiroler Bauernküche löffeln nach altem Brauch alle Esser gemeinsam aus der gusseisernen Pfanne. Lerne die Ötztaler Rituale des Kochens und Genießens kennen. Und probiere einmal das Rezept von der Sölder Alm Gampe Thaya!

Wandern, Almen, Sölden, Berg, Sommer, Hütte, Alm, Gampe Thaya

Über Geschmack und Gewohnheit

Die Zutaten für das „Muas“ sind im Prinzip einfach: Butter, Mehl, Milch, etwas Wasser und Salz. Trotzdem ist es nicht leicht, ein richtig gutes „Muas“ zu rühren. Perfekt machen den Geschmack natürlich frische Butter und Milch direkt von der Alm. Beim Mehl gibt es Spielraum. Im Ötztal wird ausschließlich weißes Maismehl verwendet. Grobes und feines gemischt wie auf der Gampe Thaya, je nach Lust und Laune aber auch nur feines oder nur grobes Mehl. In anderen Gegenden Tirols verwendet man auch Weizenmehl oder Mischungen von Weizen- und Maismehl. Fast jedes Tal und jeder Hof hat seine eigenen Traditionen und Vorlieben.

Sölden, Tradition

Kochen mit Gefühl

Auf den Milliliter und das Gramm genaue Mengenangaben darf man bei bäuerlichen Rezepten grundsätzlich nicht erwarten. Jede Bäuerin kocht ihre Traditionsgerichte mit Augenmaß und Feingefühl, geschult durch jahre-, sogar jahrzehntelange Erfahrung. Auch für das Muasrezept unten gilt daher: Beachte besonders die Tipps zur Zubereitung, sie helfen dir, die optimale Breikonsistenz zu erreichen.

DAs Beste liegt am Grund

Das echte „Muas“ wird in einer gusseisernen Pfanne auf dem offenen Holzfeuerherd zubereitet. Nur so nämlich ist es möglich, die köstliche braune Kruste am Pfannengrund gleichmäßig hinzukriegen, die im Ötztaler Dialekt „Scharre“ heißt. Sie entsteht durch die perfekte Verbindung von wohl temperierter Flamme von unten und erfahrener Rührkunst von oben. Wichtig ist es dabei, nach dem Einrühren des Mehls mit dem Schneebesen zum Weiterrühren einen Holzkochlöffel zu verwenden und beim Rühren keinesfalls am Pfannengrund zu kratzen oder zu stochern. Das würde der „Scharre“ schaden! Moderne Küchen haben nur mehr selten einen Holzfeuerherd. Die beste Alternative dazu ist ein Gasherd, darauf gelingt Dir die „Scharre“ einigermaßen gut. 

Gemeinsam isst man stark!

Auf den Almen und Höfen Tirols kam „Muas“ in alten Zeiten fast täglich auf den Tisch. Frische Milch und Mehl waren immer vorrätig. Das Gericht ist relativ schnell für viele Esser zubereitet, es macht auch sehr satt. Noch heute ist das Muasessen ein Ritual mit festen Regeln. Die Pfanne steht in der Mitte des Tischs, die Esser nehmen rundherum Platz. Jeder bekommt einen Löffel. Und konzentriert sich auf das Segment des Breis, das genau vor ihm liegt. Mit Bedacht löffelt sich dann jeder von seinem Platz aus beginnend am Pfannenrand durch den Brei runter bis zur Scharre und vor zur Pfannenmitte. Scharre sauber abkratzen und guten Appetit!

Muasrezept für 2 PErsonen

Zutaten:

  • 100 g Butter
  • 45 bis 50 g weißes Maismehl (fein)
  • 45 bis 50 g weißes Maismehl (grob)
  • 500 bis 750 ml Milch
  • 1 Schöpfkelle Wasser 1 TL Salz 

Zubereitung:

Das feine und das grobe Maismehl mischen. 50 g Butter in der eisernen Muaspfanne auf offenem Feuer zerlassen. Eine Schöpfkelle Wasser zugeben. Mit zunächst einem halben Liter Milch aufgießen. Salz einstreuen nach Geschmack. Die Flüssigkeit zum Kochen bringen. Das Mehl löffelweise mit dem Schneebesen in die kochende Flüssigkeit einrühren. Je nach Konsistenz des Mehls sofort weitere Milch eingießen, bis ein weicher Brei entstanden ist. Unter ständigem Rühren mit dem Kochlöffel rund 15 Minuten auf mäßiger Flamme köcheln lassen, bis sich am Boden der Pfanne eine braune Kruste, die „Scharre“ gebildet hat. In der Pfannenmitte muss am kräftigsten gerührt werden. 
In einem Kochtopf die restliche Butter zerlassen. Muaspfanne auf einen Pfannenknecht oder ein Brett stellen und sofort mit der zerlassenen Butter schmälzen.

Sölden, Tradition

Tipps der Gampe Thaya

Dass du genug Mehl eingerührt hast, erkennst du am besten daran, dass der Milchbrei kleine Blasen wirft. Im Ötztal gibt es dazu den Spruch: „Das Muas macht Augen. In die Augen darf man nichts mehr werfen, sonst werden sie blind.“ Also höre sofort auf, Mehl einzurühren, wenn Du die Bläschen siehst, damit der Brei nicht „blind“, sprich: zu dick  und zu zäh wird. Die zerlassenen Butter musst du möglichst schnell und gleichmäßig über das fertige „Muas“ gießen, damit sich an seiner Oberfläche keine Milchhaut bildet.  

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Gampe Thaya: Zurück zum Ursrpung

Die Gampe Thaya ist eine Almwirtschaft im Wander- und Skigebiet hoch über Sölden. Hier kommt das Beste aus Tirol mit regionalen Produkten auf den Tisch, zum Beispiel Oberländer Äpfel, Oberinntaler Erdäpfel, Fleisch vom Tiroler Grauvieh, Nordtiroler Gemüse. Daher ist die Almwirtschaft seit 2014 eine „Genuss Hütte“, ausgezeichnet mit dem Gütesiegel der Genuss Region Österreich. Das „Muas“ steht zwar nicht offiziell auf der Speisekarte. Es kann aber für mehrere Personen vorbestellt werden. Und einmal jeden Spätsommer glüht der Holzfeuerherd fast den ganzen Tag für das rituelles Muas-Mahl.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im August 2018 und wurde am 06.07.2026 aktualisiert.

Autor

Isolde von Mersi

Isolde von Mersi (* 1954 † 2023) stammte aus dem Südtiroler Pustertal und lebte in Wien. Als Reporterin und Buchautorin erkundete sie für deutsche und österreichische Magazine und Verlage die kulturellen, kulinarischen und naturgeschichtlichen Schätze der Alpenländer und ihrer Bewohner. Im Ötztal fühlte sie sich durch ihre Arbeit für das ÖTZTAL MAGAZIN seit vielen Jahren zuhause und unter ziemlich besten Freunden. Danke liebe Isolde!